DVS BV Hamburg

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Besucherrekord beim 26. Schweißtechnisches Kolloquium des DVS BV Hamburg in der HAW

Am 10.02.2015 war es wieder so weit: Über 200 Interessierte (neuer Rekord!) der Schweißtechnik trafen sich zum 26. Schweißtechnischen Kolloquium des DVS BV Hamburg in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Damit ist die mit der SLV Nord und HAW Hamburg gemeinsam durchgeführte Veranstaltung, die besucherstärkste Veranstaltung in der Geschichte des DVS Landesverbandes Hamburg/Schleswig-Holstein.
Der Veranstaltungsort, ein Hörsaal, erinnerte einige Anwesende an vergangene Zeiten, in denen sie hier pauken mussten. Die TeilnehmerInnen des Kolloquiums hingegen konnten sich ohne Druck über die neuesten Trends, Normen und Sicherheitsmaßnahmen informieren.

In dem ersten Vortrag referierte Herr Dipl.-Ing. Gunnar Morgenstern über die Möglichkeiten und Grenzen von zerstörungsfreien Prüfungen. Dabei schilderte er auch die Anforderungen, die an einen Prüfer gestellt werden (müssen), damit die vorgenommenen Prüfungen auch die Qualität des Werkstückes wiederspiegeln. Bei der Beauftragung sollten Firmen, so sein Rat, immer darauf achten, dass von akkreditierten Instituten ausgebildetes Personal eingesetzt wird.
Weiterhin sei darauf zu achten, dass auch die eingesetzten Prüfmittel (Endoskop, Kamera, Farben, Pulver, …) regelmäßig überprüft werden (Verzerrung, Auflösung, Farbwiedergabe…). So erhält man z.B. in den Bereichen PT und MT Anzeigen, die entsprechend zu bewerten sind. Die Ungänze selber wird erstmal nicht bewertet. Ob diese Anzeigen aussagekräftig sind, muss regelmäßig anhand von Prüfkörpern verifiziert werden.
Abschließend wies er daraufhin, dass auch die Wirbelstromprüfung bei der Suche nach einer angemessenen Prüfung in Betracht kommen könnte.

Es folgte eine Übersicht über den aktuellen Stand der Normung von Frau Dr.-Ing. Bärbel Schambach, Geschäftsführerin des DIN NAS. Wir erfuhren, dass jährlich 2000 neue/überarbeitete Normen erscheinen, erarbeitet von 30.000 Experten in 3.000 Arbeitsgruppen. Der subjektive Eindruck, dass sich alle 33.000 Normen des DIN mit Schweißtechnik beschäftigen, wurde dabei objektiv widerlegt.
Frau Dr.-Ing. Schambach wies daraufhin, dass mit der neuen Norm DIN EN ISO 9692-3:2014-11 zu keramischen Badsicherungen viele Änderungen in der Nahtvorbereitung für Aluminium kommen.
Erfreulich für alle Betroffenen ist, dass ab Juli 2015 die ISO Normen 9606-1 und 14732 in ASME aufgenommen sind und keine zusätzlichen Prüfungen in den Bereichen anfallen.
Am Ende des Vortrages stellte Frau Dr.-Ing. Schambach Tools zur Normenrecherche vor, für die man sich im Internet registrieren kann. Jeder kann sich in den Normungsprozess einbringen oder das Terminologieportal www.din-term.din.de als Übersetzungshilfe nutzen.

Im nächsten Vortrag informierte Herr Dipl.-Ing. (FH) Klaus-Peter Farcke von der Linde AG über den sicheren Umgang mit technischen Gasen. So wies er daraufhin, dass gemäß der TRGS 407 eine Gefährdungsbeurteilung für den Umgang mit Gasen zu erstellen ist.
Es wurden diverse Beispiele sowohl für den sicheren Umgang als auch für fahrlässiges Handeln gegeben. Bzgl. des Transports von Gasen wurde auf den Flyer der Berufsgenossenschaft hingewiesen.
Herr Farcke ging dann noch auf den Gasflaschenkreislauf in den Firmen ein und erörterte wann die Bereitstellung in eine Lagerung mit dann deutlich anderen Vorschriften übergeht.

Im letzten Vortrag am Vormittag referierte Herr Dipl.-Ing. Klaus-Peter Schmidt von der Carl Cloos Schweißtechnik GmbH über das MSG Schweißen mit Robotern. Er griff dabei drei der neuen Prozesse bei Fa. Cloos heraus.
So wurde mit dem Tandemschweißverfahren eine Abschmelzleistung von mehr als 25kg/h erreicht.
Das Rapid-Weld-Verfahren hingegen ist ein druckvoller, fokussierter Sprühlichtbogen, der es erlaubt bei einem T-Stoß ein 8mm Blech mit 35° HV-Nahtvorbereitung einseitig zu schweißen und dabei einen Vollanschluss mit beidseitiger Kehlnaht zu erhalten. Bei 40cm/min ergibt sich eine deutliche Zeitersparnis und auch die Nahtvorbereitungskosten sind deutlich geringer als bei einer herkömmlichen HV-Nahtvorbereitung. Wenn die andere Blechseite nicht zugänglich ist, ist es sogar die einzige Möglichkeit.
Der Speedweld ist mit 1m/min Schweißgeschwindigkeit ein deutlich schnellerer Impulslichtbogen mit U/I-Regelung, der zudem einen tiefen Einbrand erlaubt.
Bei der Auswahl des Schweißverfahrens gibt das DVS Merkblatt 0909-1 Hilfestellung. Die Parameter der neuen Impulsschweißprozesse werden in dem DVS Merkblatt 0926-3 erklärt.
Ähnliche Schweißstromregelprozesse haben bei den verschiedenen Herstellern unterschiedliche Markennamen erhalten. In Zukunft wird eine Arbeitsgruppe beim DVS die Markennamen für eine bessere Vergleichbarkeit in Gruppen zusammenfassen.
Abschließend stellte Herr Schmidt fest, dass es sich lohnt, die vorhandenen Schweißaufgaben auf neue Schweißstromquellen umzustellen. Sowohl bei der Energieversorgung als auch im Bereich der Fertigungszeit und des Materialeinsatzes können deutliche Einsparungen erzielt werden.

Die Mittagspause lud mit belegten Brötchen sowie heißen und kalten Getränken zur Stärkung ein. Wie auch in den anderen Pausen, fand ein reger Austausch der Teilnehmer untereinander und mit den Referenten statt.

Der Nachmittag wurde von Herrn Dipl.-Ing. Michael Kiese von der HKS Prozesstechnik mit einem Vortrag über „Moderne Verfahren zur Erkennung von Schweißunregelmäßigkeiten auf Basis elektrischer und thermografischer Kennwerte“ eröffnet. Er zeigte, dass man über die Aufzeichnung der Schweißparameter mit einer Auflösung von 6 kHz bis 50 kHz Ungänzen wie Poren, Durchbrand oder Nahtunterbrechungen erkennen kann. Die hohen Abtastraten und die zeitliche Zuordnung der Messgrößen ermöglichen es, die Streckenenergie auch in hochfrequenten Pulsprozessen korrekt zu bestimmen. Andere Messgeräte, die nur Mittelwerte aufnehmen, stoßen dabei an ihre Grenzen.
Die korrekte Wärmeeinbringung und die ungestörte Wärmeausbreitung sind ein entscheidendes Merkmal zur Beurteilung von Schweißnähten. Bei dem von HKS entwickelten ThermoProfilScanner (TPS) wird das Temperaturprofil der abkühlenden Naht senkrecht zum Nahtverlauf direkt hinter dem Brenner gemessen und ausgewertet. Ungänzen wie fehlende Flankenanbindung, Einbrandprobleme oder Poren sind gut erkennbar. Eingesetzt werden kann dieses Verfahren der passiven Thermografie bei nahezu allen Schweißverfahren (Lichtbogen, Laser, HFI) bei Schweißgeschwindigkeiten bis 100 m/min.

Über das Zusammenspiel von Schweißtechnik und Korrosionsschutz referierte Herr Dipl.-Ing. Daniel Engel von der Corroconsult GmbH. Während die Schweißer ihr Ergebnis nach DIN EN ISO 5817 bewerten, geht der Beschichtungstechniker nach DIN EN ISO 8501-3 vor. Was dem einen erlaubt ist, kann für den anderen unbrauchbar sein und viel Nacharbeit erfordern. So riet Herr Engel z.B. von dem Gebrauch von Trennspray ab, da dieses vor dem Aufbringen des Korrosionsschutzes gründlich entfernt werden muss, was aber leicht vergessen wird. Ferner wies er daraufhin, dass die Stahlhersteller die Oberflächen in der DIN EN 10163 definiert haben und der Anwender entsprechend seinen Anforderungen an den Korrosionsschutz bestellen muss.
In der DIN EN 1090 ist überdies festgelegt, dass der Schweißbetrieb geschultes Personal einsetzen muss, was auch für die Beschichtung gilt. Es muss beschichtungsgerecht konstruiert werden und die Beschichtungssysteme müssen aufeinander abgestimmt sein.
Alle heißen Behandlungen, wie Nacharbeit und Richten, müssen vor der Beschichtung abgeschlossen sein, da jede Ausbesserung der Schutzschicht nicht die gleiche Güte, wie die ursprüngliche Schutzschicht, erreicht.

Für alle die nach Alternativen zum Schweißen suchen, hielt Herr Dipl.-Ing. René Bullert von der SLV-Nord gGmbH einen Vortrag über Schraubverbindungen. Dabei zeigte sich, dass die Regelungen ähnlich denen beim Schweißen sind. So müssen WPK’s erstellt, Zeugnisse vorgehalten und Chargenkennzeichungen verfolgt werden. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine Garnitur aus Schraube, Unterlegscheiben und Mutter immer als Ganzes von einem Hersteller geordert werden sollten, damit die CE-Kennzeichnung erhalten bleibt. Weiterhin müssen die Reihenfolge beim Anziehen, die Abstufung der Drehmomente und die Prüfpläne berücksichtigt werden und natürlich müssen die Messgeräte kalibriert sein.

Den Abschluss bildete ein Vortrag von Herrn Dipl.-Ing Uwe Cohrs von der BIS Inspection Service GmbH über die zerstörungsfreie Prüfung von Schwerlastkranen. Das umfangreiche Normenwerk für die Herstellung und Zulassung wurde vorgestellt. Die Prüfumfänge MT und UT für die von der BIS GmbH untersuchten Krane mit einer Tragkraft von bis zu 1000t sind je nach Belastung der Nähte vorgegeben. Alle fünf Jahre werden die Krane zudem gezielt überlastet und die Nähte geprüft, um die Tauglichkeit sicher zu stellen.

Nach dem diesjährigen Teilnehmerrekord läuft bereits die Vorbereitung des nächsten Kolloquiums am 09.02.2016. Bis zum Mai dieses Jahres können beim Vorstand bv.hamburg@dvs-hs.de Vorschläge für Vorträge und/oder Themen genannt werden.

 

 

 
 



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